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Nord Pool stellt kein Risiko für das Stromsystem dar – CEO

(Montel) Der Vorstandsvorsitzende von Nord Pool hat Vorwürfe zurückgewiesen, dass die Börse eine Gefahr für das nordische Stromsystem darstellt. Allerdings habe das Unternehmen nach einem Gebotsfehler von Kinect Energy vorgesehene Abläufe nicht beachtet, sagte er.

„Wir haben die Ursache noch nicht vollständig geklärt. Abgesehen davon haben wir herausgefunden, dass das System den Auftrag erkannt und einen Alarm ausgelöst hat. Aber wir haben es nicht so gehandhabt, wie wir es hätten tun sollen“, sagte Tom Darell am späten Mittwochabend in einem Interview mit Montel.

Darell beharrte allerdings darauf, dass das norwegische Unternehmen Kinect für das fehlerhafte Gebot verantwortlich gewesen sei.

In Folge des Angebotsfehlers hatte Kinect in der vergangenen Woche in einer Day-Ahead-Auktion durchschnittlich 5.787 MW für alle Stunden verkauft und damit für drastisch sinkende Preise an der Börse Nord Pool gesorgt.

Dies könnte nach Ansicht vieler Branchenteilnehmer der teuerste Gebotsfehler in der europäischen Geschichte sein.

Vorwürfe von Marktteilnehmern, dass Nord Pool mitverantwortlich sei, wies Darell jedoch zurück.

Systemoptimierung
„Die Börsen stellen kein größeres Risiko dar als alle anderen Parteien im System“, sagte er. Allerdings sei das Aufspüren von Fehlern im System „extrem wichtig“, fügte er hinzu.

Als Reaktion auf den Fehler habe Nord Pool seine manuelle Kontrolle des Auktionsprozesses bereits verstärkt, so der CEO.

Außerdem werde Nord Pool in Kürze eine zweite Prüfung von Geboten einführen, die stark von der Norm abweichen.

Der Vorfall dürfte auch die Debatte über die Einführung zweiter Auktionen auf dem nordischen Markt neu entfachen. Dieses System wird an anderen europäischen Märkten angewandt, wenn ein Ergebnis in der ersten Auktion über oder unter vordefinierte Schwellenwerte fällt.

„In diesem Fall hätte eine zweite Auktion das Ergebnis geändert. Dann hätte man das Gebot löschen und in den 15 Minuten, in denen die Auftragsbücher wieder geöffnet sind, korrekte Werte eintragen können“, sagte er.

Der finnische Übertragungsnetzbetreiber Fingrid hatte Nord Pool kurz nach dem Ergebnis vom Donnerstag gebeten, eine zweite Auktion durchzuführen, was von der Börse jedoch abgelehnt wurde.

Zweite Auktion
„Über den Wunsch nach einer neuen lokalen Auktion in Finnland wurde geschrieben, aber wir haben kein Verfahren, keinen Rechtsrahmen und keine Systemunterstützung, um so etwas durchzuführen“, sagte Darell.

Befürchtungen, dass Kunden infolge des Vorfalls die Börse zugunsten des Hauptkonkurrenten Epex Spot verlassen würden, teilte der Vorstandchef nicht. Gleichzeitig erteilte er Entschädigungsforderungen eine Absage, obwohl das fehlerhafte Gebot zu einem Preissturz auf -500 EUR/MWh geführt hatte.

„Auf Grundlage des Austauschs mit unseren Kunden sind wir nicht besorgt, [dass sie abwandern]. Aber wir sehen auch nichts als selbstverständlich an“, sagte Darell.