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Markt unterschätzt geopolitische Risiken – Analyst

(Montel) Die anhaltenden geopolitischen Risiken sorgen für Müdigkeit bei den Marktteilnehmern, sagte Analyst Saul Kavonic vom Finanzdienstleister MST Financial zu Montel. Die Folgen einer Eskalation könnten allerdings noch drastischer als die Ölpreiskrise in den 70ern ausfallen.

Analysten der politischen und militärischen Lage im Nahen Osten seien deutlich stärker besorgt, dass in der Region ein Flächenbrand ausbricht, der den Iran und die Straße von Hormus mit einbeziehen könnte, sagte Kavonic im englischsprachigen Montel-Podcast.

Im Gegensatz dazu mache sich an den Energiemärkten eine gewisse Müdigkeit im Hinblick auf geopolitische Risiken dieser Art bemerkbar. Das liege auch daran, dass nicht alle Risikoszenarien im Krieg zwischen Russland und der Ukraine eingetreten seien.

Entsprechend würden Preisreaktionen auf die Entwicklung verschoben, bis es tatsächlich zu Versorgungsunterbrechungen komme oder diese ganz unmittelbar bevorstünden, sagte er.
„Das Problem damit ist, dass die Märkte dann deutlich schlechter vorbereitet sind, wenn es wirklich zu einer Versorgungsunterbrechung kommt“, so Kavonic.

Straße von Hormus
Der Konflikt im Roten Meer, wo jemenitische Huthi-Rebellen Schiffe angreifen, sei schlussendlich ein logistisches Problem, weil die Frachter alternative Routen nehmen müssten.

„Wenn aber die Straße von Hormus ein Teil des Konflikts wird, sieht die Lage ganz anders aus“, so Kavonic.

Die Straße von Hormus ist für wichtige LNG-Exporteure wie Katar sowie zahlreiche Ölexporteure der einzige Seeweg, der in offene Gewässer mündet. Die Meerenge verläuft zwischen der Küste des Iran und Halbinsel Musandam, die politisch zum Oman gehört.

„Es wird keine andere Route für die meisten Mengen geben und wir sprechen hier von rund 20% des weltweiten Öl- und 20% des weltweiten LNG-Angebots“, sagte Kavonic.

Eine Unterbrechung der Lieferungen über die Route würde sich deutlich stärker als die Ölkrise in den 1970ern auswirken, da in diesem Fall die Öl- und die Gaswirtschaft gleichzeitig betroffen wären.

Der Preis für Öl konnte damit auf 200 USD/bbl steigen, während für LNG 50-100 USD/MMBtu fällig würden, erwartete der Analyst.

Der Preis für Rohöl der Sorte Brent lag zuletzt bei unter 80 USD/bbl, während der Frontmonat für LNG am asiatischen Leitmarkt JKM für 9,50 USD/MMBtu gehandelt wurde.

Das Potenzial für eine Ausweitung des Konfliktes wachse seit dem Angriff der militanten Hamas auf Israel im Oktober 2023 jeden Tag weiter, sagte Kavonic.