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ÜNB verzeichnen 161 GW an Batterie-Anschlussanfragen
(Montel) Die Übertragungsnetzbetreiber verzeichnen einen rasanten Anstieg an Netzanschlussfragen für Batteriespeicher, die sich derzeit auf 161 GW summieren. Damit steht eine Vervielfachung der bisherigen Kapazitäten bevor, selbst wenn nur ein Teil dieser Projekte kommt.
Bericht: Katharina Johannsen
„Wir werden gerade überrollt von einem Tsunami an Anschlussbegehren”, sagte Thomas Dederichs, Leiter Strategie und Energiepolitik beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion in diesem Monat in Berlin.
Montel hat daraufhin die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber kontaktiert und sich einen Überblick über das Batteriegeschehen eingeholt.
„Im Jahr 2022 sind erste Anfragen eingegangen und einen starken Anstieg haben wir im Jahr 2024 verzeichnet”, sagte Amprion-Sprecherin Joana Niggemann nun dazu auf Montel-Anfrage.
Ähnliche Entwicklungen geben auch die anderen ÜNB an. „Seit 2023 kann man von einem regelrechten Boom sprechen, der sich im Jahr 2024 sogar noch verstärkt hat”, sagte etwa TransnetBW-Sprecherin Kathrin Egger.
Summiert man das Volumen der Netzanschlussfragen der vier ÜNB zusammen, kommt man – Stand vergangene Woche – auf 161 GW. Je nach Netzbetreiber unterscheidet sich die Zahl des Gesamtvolumens – einen Batterietrend erkennen sie jedoch alle.
Aktuell sind in Deutschland Großspeicher mit einer Leistung von 1,4 GW installiert, zeigen Grafiken der RWTH Aachen, die auf dem Marktstammdatenregister beruhen. Ihre Speicherkapazität umfasst zusammen 1,8 GWh.
Täglich neue Anfragen
Von einem „Boom” spricht auch 50Hertz-Sprecher Volker Gustedt: „Wir haben derzeit in unserer Regelzone etwa 200 Netzanschlussanfragen mit einem Gesamtvolumen von 80 GW. Aber es kommen beinahe täglich neue Anfragen hinzu.”
Damit liegt das Netzgebiet von 50Hertz vorn, was die Beliebtheit an Speicherstandorten angeht. Bei 50Hertz reichen demnach die größten Anfragen an bis zu 1,2 GW heran, die an einem Standort nach und nach aufgebaut werden sollen.
Mengenmäßig auf dem zweiten Platz bei den Netzanschlussanfragen liegt Amprion, wo nach Unternehmensangaben derzeit rund 120 Anfragen mit einer durchschnittlichen Ein- und Ausspeiseleistung von 300 MW in Bearbeitung sind – umgerechnet sind dies rund 36 GW.
Tennet verzeichnet demnach aktuell knapp über 100 Anfragen mit zusammen 35 GW. „Derzeit bearbeiten wir Anfragen von Speichern mit einer Kapazität von 99 MW bis hin zu großen Anlagen bis zu 1 GW”, sagte Tennet-Sprecherin Maria-Elena Richter.
Beim Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW im Südwesten fragten potenzielle Betreiber zusammen mehr als 10 GW Leistung an, hieß es. Damit liegt für die kleinste Regelzone auch das Gesamtvolumen am niedrigsten.
Kommen 70-80% der Projekte?
Allerdings werden nicht alle dieser angefragten Kapazitäten tatsächlich ans Netz gehen. Zumindest netzseitig geht Amprion aus, dass 70-80% dieser Anfragen für die eigene Regelzone technisch machbar wären.
TransnetBW schränkt ebenfalls ein: „Bei den meisten Anfragen ist es zu früh, um zu beurteilen, ob diese tatsächlich umgesetzt werden.”
Ein Teil der Anfragen befinde ich sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Hier gehe die Übertragungsnetzbetreiberin von einer Umsetzung aus. Doch teilweise werden Anfragen auch wieder zurückgezogen, so die Sprecherin. „Teils werden mehrere Standorte parallel angefragt, ohne die Absicht, alle umzusetzen.”
Einen Netzanschluss können Batterieprojektierer entweder im Verteilnetz oder direkt beim Übertragungsnetz anfragen. Mit den Anfragen bei den knapp 900 Verteilnetzbetreibern in Deutschland dürfte die Anzahl potenzieller Projekte folglich nochmals höher liegen. Über die Verteilung zwischen den Netzebenen gebe es allerdings keine Informationen, so die Amprion-Sprecherin.
Volatilitäten
Da die Volatilitäten im Strommarkt stark zunehmen, haben viele Projektierer Batterien als ein attraktives Geschäftsfeld ausgemacht. Dabei kommt sowohl die Vermarktung von Regelenergie als auch an den kurzfristigen Strommärkten in Betracht.
So gab es im Day-Ahead-Markt in diesem Jahr in der Auktion bereits 440 Stunden mit negativen Preisen. Zwischen der teuersten und der günstigsten Stunde eines Tages im Day-Ahead der Epex Spot lag in diesem Jahr bislang ein durchschnittlicher Preisunterschied von rund 117 EUR/MWh.
Bei der Epex ist dieser Wert allerdings im Vergleich zu den Konkurrenzbörsen Exaa und Nord Pool wegen eines Tages mit einer Entkopplung und Extrempreisen um 8,50 EUR/MWh nach oben verzerrt.
Mit weiter voranschreitenden Photovoltaik- und Windausbau und einem Rückbau der steuerbaren Kapazitäten wegen des Ausstiegs aus fossilen Energien gelten Speicher zudem als sehr wichtig, um das Netz zu stabilisieren und die Überschüsse aus der Erneuerbaren-Produktion in Zeiten schwacher Grünstrom-Einspeisung verschieben zu können.