Foto: Mo Photography Berlin, shutterstock.com

ELECTRICITY | GAS | POLICY | RENEWABLES

3 Lesezeit

Geplanter Kraftwerkszubau erfüllt Markterwartung nur knapp

(Montel) Die Bundesregierung liegt mit ihrem angepeilten Zubau von 10 GW an wasserstofffähigen Gaskraftwerken nur am unteren Ende der Markterwartungen, sagten Analysten diese Woche zu Montel. Damit rückt der Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) in den Fokus.

„Wir brauchen die Anlagen und sie sind relevant für die Versorgungssicherheit,“ sagte Christoph Maurer, Geschäftsführer des Beratungshauses Consentec.

Die 10 GW seien am „unteren Rande dessen, was man erwartet hat“, so Maurer. Allerdings heiße dies nicht, dass es zu wenig sei, fügte er hinzu.

Ursprünglich hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) von rund 25 GW an benötigten Kraftwerken gesprochen, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig einen um acht Jahre vorgezogenen Kohleausstieg im Jahr 2030 zu ermöglichen.

Zuletzt hatte sein Ministerium jedoch angedeutet, dass auch weniger Kapazitäten ausreichen könnten.

Bei den geplanten 10 GW, die sich auf vier Ausschreibungen zu jeweils 2,5 GW verteilen sollen, handele es sich um „einen Puffer“ zu den benötigten Kapazitäten, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch zu Montel.

Kohle in die Reserve?
Mit der geplanten Ausschreibungsmenge könnte 2030 allerdings eine Verschiebung von Kohleblöcken in die Netzreserve notwendig werden, sagte Tobias Federico, Geschäftsführer des zur Montel-Gruppe gehörenden Beratungshauses Energy Brainpool.

„Wir gehen von 25 GW aus, die wir brauchen, um schnell aus der Kohle auszusteigen“, sagte er.

Die Bundesnetzagentur will schon heute 2,1 GW an Steinkohleblöcken, die eigentlich stillgelegt werden sollen, von Ende März 2024 bis Ende März 2031 in die Netzreserve überführen.

Der Branchenverband BDEW hatte in der Vergangenheit einen Zubau von 15 GW an Kapazitäten gefordert und war damit nach eigenen Angaben ebenfalls am unteren Ende der für notwendig erachteten Mengen geblieben.

KWK-Ausbau im Fokus
Das Ministerium verweist unterdessen auf den geplanten Zubau von KWK-Anlagen und weitere Instrumente aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die zu einem Zubau von auf Wasserstoff umrüstbaren Kraftwerken führen würden.

„Es kommt tatsächlich auf den Zubau von KWK-Anlagen an“, sagte auch Maurer mit Blick auf die Versorgungssicherheit.

Wie hoch der benötigte Gesamtzubau aussehen müsse, sei allerdings schwierig zu beziffern, auch weil sich die Lage auf den Energiemärkten verändert habe.

Die Bundesnetzagentur hatte den Bedarf an gasbefeuerten Kapazitäten in ihren letzten Monitoringberichten mit 17-21 GW angegeben. Mit dieser Menge lasse sich der Kohleausstieg umsetzen, so die Annahme.

In ihrer Bestandsaufnahme im Rahmen der Monitoringberichte bezifferte die Behörde die installierte KWK-Kapazität auf knapp 29 GW. Davon entfielen 16,4 GW auf Gas, 6,8 GW auf Steinkohle und der Rest auf weitere Energieträger wie Abfall oder Biomasse.

Fehlender Rahmen
Die KWK-Branche hatte im Januar unterdessen Rückendeckung durch den Europäischen Gerichtshof erhalten, der die Förderung nach dem KWK-Gesetz nicht als staatliche Beihilfe einstuft.

Damit seien Beihilferechtliche Hürden für eine Weiterentwicklung der rechtlichen Grundlage für den KWK-Ausbau ausgeräumt, teilte der Branchenverband BKWK mit.

Der bisherige Rechtsrahmen läuft Ende 2026 aus. Die nötigen Anpassungen und die Verlängerung des Regelwerks müssten nun angestoßen werden, so der Verband.

Grundsätzlich sei ein KWK-Zubau von 15 GW bis 2030 möglich, hatte der BKWK im September 2023 vorgerechnet.

Der neue Rechtsrahmen müsse die schrumpfenden Einsatzzeiten für die Anlagen berücksichtigen, die die Abwärme aus der Stromerzeugung als Nutzwärme auskoppeln.

KWK-Anlagen seien durch ihren hohen Wirkungsgrad verglichen mit reinen Gas- oder Kohlekraftwerken nachhaltiger und damit als Ergänzung für die Energiewende geeignet, so der BKWK.

Deutschland will bis 2030 mindestens 80% seines Bruttostrombedarfs aus Erneuerbaren decken und bis 2045 klimaneutral werden.

Die Abkehr von der Kohleverstromung hat im vergangenen Jahr zu einer CO2-Reduktion im deutschen Stromsektor um 18% geführt, hatte der BDEW zuletzt mitgeteilt.

Die Steinkohlekapazität am Strommarkt lag laut Bundesnetzagentur zuletzt noch bei rund 18 GW, während Braunkohle noch mit 16,7 GW im Markt war.